Audioguide by Audio-Cult. On the left, two visitors in a museum examining a wall covered with framed text excerpts at Stedelijk Museum. On the right artist Marco Russo talking about his work at Anton Bortis.

Wie funktionieren Audioguides? Ein einfacher Leitfaden mit Beispielen

Lucas Hagin
15. Februar 2024

Was sind die Vorteile eines Audioguides? Mit einem Audioguide können Besuchende eines Museums akustisch in eine Ausstellung eintauchen und auf ganz neue Weise entdecken, lernen und erleben. Es gibt ganze Touren oder einzelne Kapitel zu hören.

Warum Ihr Museum einen Audioguide braucht

Die Museumsbesucher:innen sind oft mit ihren Augen bereits beschäftigt, sammeln visuelle Eindrücke und müssen dabei auch noch viele Texte lesen. Um die Museumserfahrung zu verbessern, bietet sich eine Audioführung an. Warum lohnt sich ein Audioguide? Damit können die Besuchenden sich auf die Objekte fokussieren und gleichzeitig spannende Hintergrundinfos hören. Studien zeigen, dass sich Besucher:innen dank Audioguides besser erinnern können.

Von der Verbesserung des Lernerfolgs bis zur Steigerung der allgemeinen Besucherzufriedenheit: Audioguides bieten eine Reihe von Vorteilen. Durch ein intensiveres und interaktiveres Erlebnis können Audioführungen den Besucher:innen helfen, sich intensiver mit den Exponaten zu beschäftigen und eine größere Wertschätzung für das Museum zu entwickeln. Darüber hinaus können Audioguides Museen für Besucher:innen mit Einschränkungen und Behinderungen zugänglicher machen und ein breiteres Publikum ansprechen.

Funktionsweise von Audioguides: Eine einfache Erklärung

Ein gutes Audioguide System muss benutzerfreundlich für das Museum und seine Besuchenden sein.

Für die Besuchenden sollte der Guide nicht vom Inhalt ablenken.

✅ Das heißt, die Bedienung muss intuitiv und einfach sein. Im Idealfall können Ihre Besucher:innen ihr eigenes Gerät nutzen – ganz ohne Download oder Leihgerät. Besuchende scannen einen QR-Code und können so eine zusammenhängende Tour oder einzelne Kapitel abrufen.

❌ Für das Museum darf es nicht kompliziert sein Touren zu bauen und zu bearbeiten.

 Das heißt, es muss es einfach möglich sein selbstständig Touren zu erstellen und anzupassen. Wenn sich ein Objekt verschiebt oder eine Ausstellung verändert, kann man den Audioguide mit einem einfachen Tool gestalten – ganz ohne Agenturen, ohne großen Zeitaufwand und ohne hohe Kosten.

Ein guter Audioguide sollte zudem über Text- und Bildhinweise sowie Karten- mit intuitivem Design verfügen. Besuchende können sich so orientieren und sehen, an welcher Station sie sich befinden. Für blinde Personen sollte eine barrierefreie Lösung gewährleistet sein.

Was macht einen guten Audioguide aus?

Ein guter Audioguide sollte sowohl unterhaltsam als auch informativ sein, ohne dabei zu didaktisch oder rein formal Informationen zu präsentieren. Visuelle Erfahrungen werden durch gutes Storytelling und akustische Informationen verstärkt.

Ein Audioguide ist keine wissenschaftliche Abhandlung

✅ Eine Audiotour muss für Laien verständlich aufbereitet werden. Die Texte sind nicht identisch zu Label-, Wand- oder Katalogtexten. Stattdessen steht ein optimales Hörerlebnis im Vordergrund – je bildlicher die Sprache, desto besser die (Kopf-)Bilder und das Erinnerungsvermögen.

Für einen guten Audioguide spielen verschiedene Aspekte eine Rolle: Im Fokus stehen die Aufmerksamkeitsspanne und Emotion der Nutzer:innen und Hörer:innen. Eine klare Struktur, fesselnde Inhalte und eine ansprechende Stimme helfen, um einen intuitiven Einstieg zu schaffen und die Aufmerksamkeit zu halten. Durch emotionale Elemente wie persönliche Geschichten oder passende Musik und Soundkulissen kann eine tiefere Verbindung zum Inhalt hergestellt werden.

Inspiration: 4 herausragende Beispiele für Audioguides

Was sind gute Beispiele für Audioguides? Wir teilen vier ausgewählte Praxis-Beispiele.

✅ de Young Museum – Kehinde Wiley: An Archeology of Silence
Für die Kehinde Wiley Ausstellung im de Young Museum (Fine Arts Museums of San Francisco) wurde ein atemberaubender Audioguide produziert. Abram Jackson (Director of Interpretation) und Frances Homan Jue (externe Autorin/Produzentin) entwickelten ein einzigartiges Hörerlebnis mit der Stimme des Künstlers sowie lokalen Aktivist:innen.

✅ Centre de la photographie – Akosua Viktoria Adu-Sanyah: Behold the Ocean
In Zusammenarbeit mit der Künstlerin Akousa Viktoria Adu-Sanyah haben wir eine narrative Audioexperience für ihre Einzelausstellung im Centre de la photographie, Genf, entwickelt. Das Storytelling bietet spannende Hintergrundinformationen zu Adu-Sanyahs künstlerischem Prozess sowie einen intimen Blick hinter die Kulissen.

✅ Helvetia Art Foyer – I like! – 80 Jahre Helvetia Kunstsammlung
Was gefällt wem und warum? Was verbindet uns mit der Kunst, dem Kunstwerk, dem Künstler oder der Künstlerin? Welche Emotionen, Erinnerungen, Assoziationen ruft ein Kunstwerk hervor? Nathalie Loch hat die Jubiläumsausstellung für das Helvetia Art Foyer organisiert. Statt einer klassischen Überblicksausstellung im Sinne eines chronologischen Rückblicks mit den kunsthistorisch relevantesten Werken, werden persönliche Lieblingswerke von Menschen aus Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft vorgestellt.

✅ Migros Museum für Gegenwartskunst – Material Memories
Die Ausstellung setzt sich damit auseinander, welche Bedeutung das Material in der Kunst spielt. Dabei werden zentrale Themen der Kunst diskutiert. Der Audioguide rund um die Museumssammlung wurde von der Kunstvermittlerin Cynthia Gavranic verfasst und eingesprochen. Ergänzend wird in einer weiteren Tour besprochen warum das Museum überhaupt existiert und was zeitgenössische Kunst bedeutet.

Ob aus künstlerischer Perspektive, aus der Rolle der Vermittler:in oder kuratorischer Sicht: Ein guter Audioguide bietet einen authentischen und intuitiven Einstieg fürs Publikum.


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