Audioguide by Audio-Cult. On the left, two visitors in a museum examining a wall covered with framed text excerpts at Stedelijk Museum. On the right artist Marco Russo talking about his work at Anton Bortis.

Wie schreibt man einen Audioguide? Ein Leitfaden

Lucas Hagin
15. Januar 2024

Ob im Museum oder für eine Stadtführung: Ein Audioguide verspricht Besuchenden spannende Geschichten und Hintergründe zu Objekten, Orten und Biografien. Als Tourguide und Museumsmitarbeiter fragt man sich jedoch: Wie erstellt man einen Audioguide? Wir geben praktische Tipps und teilen unsere Erfahrung.

Um einen guten Audioguide zu entwickeln, müssen wir ein paar Grundfragen klären: Zum Beispiel zur Zielgruppe, zum Vermittlungsansatz, zur Struktur, sowie zum Stil.

Zielgruppe: Ein Audioguide für Ihr Publikum

Zunächst müssen wir uns überlegen, an welche Zielgruppe sich unsere Audioführung richten soll. Schließlich macht es einen Unterschied, ob wir für Kinder, Erwachsene, Touristen eine Audiotour erstellen möchte. Vielleicht bietet sich auch eine barrierefreie Führung für Menschen mit Sehbehinderte oder Hörgeschädigte an? Ich welchen Sprachen möchten wir den Audioguide anbieten?

Vermittlung: Tipps für einen guten Audioguide

Audioguides richten sich üblicherweise an ein breites Publikum. Die Inhalte berücksichtigen den wissenschaftlichen Erkenntnisstand, aber stellen die relevantesten Aspekte vor und werden für ein Laienpublikum aufbereitet. Bezüge zu Gegenwart und Lebensrealität der Hörer:innen sowie der berühmte "rote Faden" schaffen Relevanz und Verständnis. Besucher:innen schätzen es zu verstehen aus welcher Perspektive die Vermittlung stattfindet: Spricht hier beispielsweise eine Fachperson mit kuratorischer, retauratorischer oder architektonischer Expertise? In jedem Fall empfehlen wir es persönliche Interpretationen als solche zu kennzeichnen.

Struktur: Tipps für eine gut Hörerfahrung

Die Konzeption des Audioguides ist idealerweise frühzeitig in den Ausstellungsprozess zu integriert. So lässt sich nicht nur sicherstellen, dass genug Zeit vorhanden ist, sondern auch relevante Bezüge zwischen den Ausstellungsinhalten und den Inhalten des Audioguides entstehen. Ist ein Kapitel pro Raum vorgesehen oder geht es um ausgewählte Highlights? Soll es eine zusammenhängende "Tour" sein, oder stehen Fragmente und Objekte im Vordergrund? Führen wir die Besuchenden und geben wir genaue Wegbeschreibungen oder steuern die Hörer:innen selbstständig welche Objekte sie ansprechen? Mit Audio-Cult ist beides möglich. Eine zusammenhängende Führung sowie ein objektbezogener Audioguide. Über einen QR-code kann die gesamte Tour oder aber auch ein einzelnes Werke angesteuert werden.

Länge: Optimale Aufmerksamkeitsspanne beachten

Das Publikum erwartet eine prägnante Zusammenfassung. Deshalb empfehlen wir 90 Sekunden als Richtwert für einzelne Audiokapitel. Wenn es nicht möglich ist die Texte zu kürzen, bietet sich eine Unterteilung in mehrere Audio-Tracks. Auch die allgemeine Einführung oder größere Zusammenhänge sollten den zeitlichen Rahmen von 1.5 - 2 Minuten nicht übersteigen. Als Faustregel gilt: 120 Wörter entsprechen etwa 60 Sekunden Audio.

Stil: Effektive Methoden für die Vermittlung

Als nächstes lohnt es sich den Erzählmodus für die Audiotour zu definieren. Menschen erinnern sich an Geschichten, weniger an Informationen. Hier geht es nicht nur um die reine Vermittlung von Informationen, sondern um Storytelling und Unterhaltung. Sollen die Hörer:innen spielerisch oder dokumentarisch geführt werden? Ermöglicht die Erzählerstimme eine subjektive Perspektive? Soll die Persönlichkeit durchscheinen oder wollen wir einen neutralen Ton anschlagen? Diese stilistischen Fragen hängen natürlich von unseren Inhalten, der definierten Zielgruppe und Erzählweise ab. Durch die Einbindung von Musik, Soundkulissen, Zitaten und Originalaufnahmen wird die Vorstellungskraft der Hörer:innen zusätzlich stimuliert. Eines ist klar: Ein Audioguide kann monologisch und nüchtern sein. Wir können aber auch dialogische Elemente oder gar eine Story mit Hörspielcharakter entwickeln. Das Skript sollte auf jeden Fall logische Gedankenschritte und Assoziationen ermöglichen. Idealerweise steht ein roter Faden, auf den wir  immer wieder Bezug nehmen, im Vordergrund.

Praxis: Expertentipps für den perfekten Audioguide

Wie kreiere ich einen Audioguide? Bereits im Schreibprozess lohnt es sich die Sätze laut auszusprechen, um sicherzustellen, dass das Hörverständnis von Anfang an im Vordergrund steht. Hier ein paar ausgewählte praktische Tipps:

Aktive Verbformen:
sorgen für Klarheit und Dynamik – das belebt den Text.

Ansprache der Hörer:innen:
durch Fragen stimulieren und zum Nachdenken anregen.

Fremdwörter und Fachbegriffe:
vermeiden oder erläutern.

Gedankensprünge: vermeiden und idealerweise eine Aussage pro Satz.

Jahreszahlen: sparsam verwenden und nur wenig notwendig oder hilfreich.

Satzanfang: logische Verknüpfungen am Satzanfang herstellen (deshalb, also, weil,...)

Satzlänge:
auf ein Minimum reduzieren. Idealerweise nicht mehr als 10-15 Wörter.

Satzbau: durch Variationen Abwechslung schaffen.

Satzende: Hauptaussagen am Ende des Satzes – so bleibt das Gehörte in Erinnerung.

Substantive: wenn möglich durch aktive Verbformen ersetzen.

Für Fragen und redaktionelle Unterstützung, kontaktieren Sie uns! Wir teilen gerne unsere Erfahrungswerte, Best Practice Beispiele und Guidelines. Auf Wunsch übernehmen wir auch inhaltliche Arbeit und Produktion.

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